Freitag, 18. Mai 2007

Biedermeier – Gemütlichkeit

Tatsächlich war die Zeit zwischen 1815und 1848 geprägt vom Metternichs Polizeistaat und die das politische Engagement eines gebildeten Bürgertums wurde weitestgehend unterdrückt. Daher legten die Menschen der wohlhabenden bürgerlichen Kreise mehr wert auf die bewusste Gestaltung der Freizeit; man besuchte Theater, traf sich beim Heurigen oder in Kaffeehäusern und unternahm Landpartien. Man war auch Förderer der Künste und veranstaltete Hauskonzerte und literarische Zirkel.

Die Bezeichnung „Biedermeier“ für diese Jahre ergab sich erst später aus den beiden Wortschöpfungen „Biedermann“ und „Bummelmaier“. Diese beiden Philistertypen hatte Viktor von Scheffel 1848 in den „Fliegenden Blättern“ geschaffen. Die Kombination zu dem Wort „Biedermeier“ geschah 1850 durch den Dichter L. Eichrodt, dessen Gedichte „Biedermeiers Liederlust“ ebenfalls in den „Fliegenden Blättern“ erschienen sind. Ursprünglich meinte die Bezeichnung „Biedermeier“ auch eher spöttisch einen braven, spießigen und biederen Menschen. Heute – wie schon eingangs erwähnt – wird dieser Begriff mit „Beschaulichkeit“ verbunden, obwohl die tatsächliche Lebenssituation der Menschen weniger beschaulich war.
Abgesehen von der politischen Situation muss man sich vor Augen führen, dass im Jahre 1816 noch ca. 90% der Bevölkerung am Land lebte und das städtische Bürgertum dazu vergleichsweise eine kleine Gruppe war. Die Städte waren von Stadtmauern umgeben, wer in die Stadt wollte wurde ebenso kontrolliert wie derjenige, der die Stadt verlassen wollte. Die Gassen und Straßen innerhalb der Stadt waren eng und verwinkelt, nachts gab es keine Straßenbeleuchtung. Die Straßen waren noch unbefestigt, nur selten gab es Gehsteige oder gepflasterte Wege. Die hygienischen Bedingungen waren schlecht, sodass eine Choleraepidemie 1830/31 viele Todesopfer in ganz Europa forderte. Das Reisen in Postkutschen war ebenfalls noch sehr beschwerlich. Erst mit zunehmender Industrialisierung wurde das Schienennetz zunehmend ausgebaut.

Tatsächlich schufen diese gesellschaftlichen Bedingungen einen eigenen, sehr charakteristischen Wohnungsstil.
Die komfortablen Wohnungen des wohlhabenden Bürgers verfügten über ein Empfangs- bzw. Wohnzimmer, die gute Stube, ein Speisezimmer, ein Arbeitszimmer für den Hausherrn, ein Schlafzimmer, ein Kinderzimmer, eine Küche und eine Dienstbotenkammer.

Bäder und Wasserleitungen waren selten. Die Wände waren mit Kalkfarben gestaltet, Tapeten gab es nur in sehr reichen Haushalten. Die Fußböden waren gedielt, Parkettböden fand man ebenfalls nur besonders wohlhabenden Häusern. Auch Teppiche waren Luxusgüter.
Kachelöfen und eiserne Öfen dienten dem Heizen. Öllampen und Talglichter erhellten den Raum. Wachskerzen waren sehr teuer und auch nur den sehr reichen Bürgern vorbehalten. Das Feuermachen war sehr mühsam, denn erst ab 1832 wurden Streichhölzer im deutschen Raum industriell gefertigt.

Auch in der Kunstgeschichte bezieht sich die Bedeutung des Biedermeier mehr auf die Innenausstattung.
Das Biedermeier – Möbel ist nicht bloß eine weniger repräsentative Form des Empiremöbels, eine bloße Vereinfachung; vielmehr hat es sehr wohl eigene Stilelemente entwickelt.
Das Biedermeier – Möbel ist klar in seiner äußeren Form, schlicht und zweckmäßig. Das Holz ist oft hell und anstelle von Flächendekoration findet man häufig ausgesuchte Maserungen.
Die Sitzmöbel sind durch einen leichten Schwung charakterisiert und passen sich den Körperformen an. Die Bezüge sind hell, schlicht (oft ist das Muster in Streifen angelegt) – das typische Ornament ist die Blume – besonders als Streumuster.

Typische Biedermeier – Möbel

In der Malerei wandte man sich ab vom Historienbild des Klassizismus. Der Maler wurde zum Beobachter des alltäglichen Lebens. Die Genremalerei bevorzugte Motive aus der gemütlichen und stillen Welt des bürgerlichen Wohnraumes und Szenen aus den Kleinstädten. Waren die zentralen Werte der Malerei der Biedermeierzeit das „Beschauliche“, das „Liebliche“, das „Feine“, so fand man neben gutmütigen Humor auch sozialkritische Momente.
Künstlernamen, die mit dieser Zeit verbunden sind: J. Danhauser, P. Fendi, F. Gauermann, Spitzweg.

Auch Landschaftsdarstellungen waren sehr beliebt. Die Maler wanderten durch die Landschaften der Alpen und Länder der Monarchien und fingen persönlich berührende, romantische Erlebnisse ein. Auch Naturgewalten wie Gewitter, Stürme und Überschwemmungen wurden mit einer „romantisierenden-naturalistischen Grundhaltung“ dargestellt.
Bedeutende Vertreter der Landschaftsmalerei waren F.G. Waldmüller, R.v.Alt, J. Höger und A. Stifter.
Beliebt waren aber auch Blumenstilleben, Herbarien und in der Porträtmalerei wurde die Miniaturmalerei bevorzugt.

Nur 50 Jahre nach dem Wiener Kongress wurde in Österreich das Biedermeier wiederentdeckt. Um die Jahrhundertwende ist im Bereich der Architektur und des Kunstgewerbes parallel zum Jugendstil und zur Wiener Secession eine Periode des „Neobiedermeiers“ zu beobachten, die bis ca. 1918 andauerte.


Autor: www.altertuemliches.at

Kunststreit um Cranachs Bilder nach dem 2. Weltkrieg

Am 2. Juni 1938 wurde die Tochter von Hermann und Emmy Göring geboren – Edda Göring. Zur Taufe erhielt das Kind vom ganzen Lande kostbare Geschenke, Offiziere und Soldaten sammelten Geld und so konnte am elterlichen Grundstück das sogenannte „Edda-Haus“ gebaut werden.
Vom Magistrat der Stadt Köln erhielt das Kind ein besonders wertvolles Geschenk: Das weltberühmte Gemälde „Madonna mit dem Kinde“ von Lucas Cranach; entstanden 1518. Das Gemälde hatte sich bisher im Wallraf-Richartz-Museum in Köln befunden und wurde nun der Familie Göring überreicht.
Göring, der sein Haus mit einer großen Anzahl von Kunstschätzen ausgestattet hatte, besaß auch noch ein weiteres Gemälde von Lucas Cranach: „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“

Als es nach dem Krieg darum ging, die Kunstschätze für den Wiedergutmachungsfond zu sichern, meinte der zuständige Generalanwalt, die Geschenke seien nur deshalb zustande gekommen, weil die Schenkenden bei Hermann Göring in einem guten Licht erscheinen wollten, um sich eventuelle Vorteile zu sichern. Auch das Taufgeschenk sollte dazuzählen.

Der Streit um das Bild Cranachs zog sich jahrzehntelang hin. Edda selbst studierte bereits Rechtswissenschaften und konnte gegen einen Bescheid, der das Bild der Stadt Köln zugesprochen hatte, berufen. Edda Göring war schließlich erfolgreich, denn selbst das Oberlandesgericht Köln entschied, dass kein Druck von Göring vorgelegen sei. Vielmehr sei anzunehmen, dass sich der damalige NS-Oberbürgermeister mit dem Geschenk einen Vorteil verschaffen wollte und so blieb das Gemälde im Eigentum von Edda Göring.

Autor: www.altertuemliches.at

Bildnachweis: www.oel-bild.de /„Madonna mit dem Kinde“/„Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“